Weltmeisterschaft X-99 Bregenzer Segel-Club
03.07.2004 - 10.07.2004, Veranstaltungsort: Bregenz
Die Woche der Wechselbäder
Das Wettfahrt-Protokoll der Anna Katharina 2 bei der WM 2004 in Kurzform:
Sonntag, 4.7.: Statt der vorgesehenen Trainingsregatta gab es individuelles Leichtwindtraining – aber immerhin konnten wir dabei den neuen Spinnaker ausprobieren.
Montag, 5.7.: Eigentlich war gar kein schlechter Wind, nur leider waren es eigentlich zwei Winde – einer aus Süd und einer aus Nordwest. So kam es, dass zwei Wettfahrten in Richtung Westen gestartet wurden, aber nach dem Einsetzen des Südwindes wieder abgebrochen werden mussten (zu unserem Glück, denn der Wind drehte gegen uns). So blieb vom Montag nur die Swiss Night mit ohrenbetäubender und stimmungsfördernder Guggamusig.
Dienstag, 6.7.: Schlaftag für übernächtigte Crewmitglieder, denn diesmal war gar nichts mehr in Sicht. Die verzweifelte Wind-Suche des Startboots (mit 54 Xen im Schlepptau) blieb erfolglos. Die Folge: Startbereitschaft 7 Uhr am nächsten Morgen.
Mittwoch, 7.7.: Um 7 Uhr war kein Wind zu sehen, aber um 8 Uhr hieß es dennoch: Auslaufen. Tatsächlich gab es gegen Mittag endlich die erste Wettfahrt – und für die Anna Katharina 2 einen 15. Platz. An der ersten Luvtonne war es sogar noch der 8., beim zweiten Runden der 11. Platz, sodass sich die Zufriedenheit in Grenzen hielt (auch wenn wir unter anderem Welt- und Vizeweltmeister Velux und Zuxu vorbeilassen mussten und die Mistral in Schach halten konnten).
Bei der zweiten Wettfahrt waren wir (nach zwei Massenfrühstarts) als zweites Schiff an der Luvtonne, fielen aber dank stark drehender Winde zurück und ärgerten uns deshalb nur mäßig über den Abbruch, als der Wind endgültig einschlief.
Nach längerer Wartezeit kam doch noch ein kräftiger Westwind auf. Doch genau zum 4-Minuten-Schuß gab es einen riesigen Krach, und der Großbaumniederholer (easy-kick) lag auf dem Deck – die Aufhängung war gebrochen. Nach ersten Reparaturversuchen starteten wir so recht und schlecht und reparierten auf dem ersten Schlag weiter – bis wir am Ende des Feldes lagen und uns entschieden, eben ohne Niederholer weiterzufahren. Bis ins Ziel überholten wir rund 20 Schiffe und landeten auf Platz 30, doch die Folgen waren nachhaltig: Dank der Fingerfertigkeit unseres Goldschmieds war der Niederholer nach zwei Stunden Arbeit am Abend wieder provisorisch installiert, doch der Muskelkater des Vorschiffmannes, der während der Spigänge vergeblich versucht hatte, den Großbaum mit Körperkraft nach unten zu halten, verging erst nach zwei Tagen.
Donnerstag, 8.7.: Wieder war ab 7 Uhr Startbereitschaft angeordnet, und diesmal ging es tatsächlich bald aus dem Hafen: Es war Wind in Sicht! Die erste Wettfahrt gen Nordwest war von wechselnden und drehenden Winden beeinflusst. Und diesmal profitierten wir davon und wurden 7. (zwei Plätze hinter Uli Diem und 23 vor dem Weltmeister).
Nach längerem Warten näherte sich am Nachmittag eine Schlechtwetterfront mit Gewittern – und einem Sturm mit 7 Beaufort und Windspitzen von 40 Knoten. Wir verzichteten deshalb auf dem ersten Vorwindkurs auf den Spinnaker (andere opferten ihn unfreiwillig), konnten aber deshalb die Genua erst ganz am Schluß gegen die Fock tauschen – und ließen dabei etwa zehn Schiffe durch. Nach einem rasanten und guten zweiten Spigang (einschließlich unverschuldeter Kollision mit der Kiribati) werden wir noch 26.
Freitag, 9.7.: Bei Südwind mit 3-4 Beaufort starten wir gleich nach dem Auslaufen von Lindau in Richtung Bregenz. Doch schon unser Start misslingt, wir verlieren schnell an Terrain gegenüber den Nachbarschiffen, wenden auf die Steuerbordseite, welche sich als schlechter herausstellt. An der Luvtonne haben wir so viele Schiffe vor uns, dass uns deren Abwinde in die Tonne treiben – ein Strafkringel und beinahe die rote Laterne sind die Folge. Schließlich quälen wir uns noch auf den 41. Platz nach vorne.
Der Versuch, den verschlafenen ersten Start wettzumachen, geht gründlich schief: Disqualifikation wegen Frühstart nach der Black-Flag-Regel, gemeinsam mit Velux (die verlor dadurch immerhin den WM-Titel), Zuxu, Vento Azzuro und Verflixt schauen wir der Wettfahrt von außen zu (endlich Zeit zum Fotografieren! Die Fotos sind unterwegs...).
Und auch die dritte und letzte Wettfahrt des Tages brachte keine wirkliche Rehabilitierung: Ein weiterer verhaltener Start, etwas weniger Speed als die vor uns liegenden Schiffe (in dem Fall Patent 2 und Alexela), und schließlich ein paar verunglückte Manöver bringen uns den 22. Platz (wobei wir einmal mehr dank kluger Taktik kurz vor Schluß noch zwei Schiffe überholten) in der Wettfahrt und den 23. im Gesamtergebnis. Das ist etwas weniger als erhofft, mehr, als uns die meisten zugetraut haben, aber insgesamt sicher nicht schlecht.
Bleibt noch ein Kommentar zur Organisation und zum Rahmenprogramm: Auf dem Wasser waren alle sehr bemüht, an Land wurden wir beinahe überversorgt. Das gilt besonders für die Musikgruppen, die die abendlichen Gespräche oft schon sehr früh unterbrachen. Aber die Stimmung blieb trotz der Flautentage sehr gut, und das spricht für die Organisatoren. Sie haben sich jedenfalls sehr ins Zeug gelegt und – wie man hört – weit mehr geboten als andere Weltmeisterschaften.
Und für uns war es eine lehrreiche Woche mit neuen Erfahrungen und ein paar Erfolgserlebnissen. Der Frust hält sich also sehr in Grenzen!
maba
Die Fotos folgen in den nächsten Tagen!
Download: __www.x99.info_deutsch.pdf




